Molekulare Bildgebung und optische Biopsie

Medizin 1

Direktor:
Prof. Dr. med. Markus F. Neurath

Konfokale Laser-Endomikroskopie

Mittels konfokaler Endomikroskopie können noch während der endoskopischen Untersuchung der konventionellen Histologie ähnliche Bilder aufgenommen werden, die eine exakte Beurteilung des Gewebes ermöglichen. Das Gewebe bleibt dabei unverletzt. Die Vergrößerung ist so hoch, dass sogar einzelne Blutkörperchen in den Gefäßen dargestellt werden können.

Diese neue Entwicklung im Bereich der endoskopischen Bildgebung erlaubt die Bestimmung der in vivo Histologie noch während der Untersuchung und damit eine Beurteilung des Gewebes auf zellulärer sowie subzellulärer Ebene in Echtzeit und damit eine sogenannte "optische Biopsie".

Die Endomikroskopie verwendet niedrig energetisches Laserlicht. Normales, entzündungsfreies Gewebe zeichnet sich durch eine niedrige Hintergrundfluoreszenz aus, die in der Regel nicht ausreicht um ein ausreichend starkes Signal für die Endomikroskopie zu erzeugen. Daher müssen einige Sekunden vor der Endomikroskopie Fluoreszenzfarbstoffe exogen zugeführt werden. Der derzeit am häufigsten verwendete Fluoreszenzfarbstoff ist das Fluoreszein Sodium, von dem in einer Konzentration von 10% in der Regel zwischen 3-5ml appliziert werden. Eine kürzlich veröffentlichte Multicenterstudie wies auf die gute Verträglichkeit dieses Medikaments hin, wobei ein leichter Blutdruckabfall in 0,5% der Fälle die häufigste unerwünschte Wirkung darstellte.

Endomikroskopiesysteme stehen als handheld devices, die über den Arbeitskanal eines Standardendoskops vorgeschoben werden können, sowie als in das Endoskop integrierte Systeme zur Verfügung. Die optische Biopsie der Endomikroskopie hat einen 1000-fachen Vergrößerungsfaktor und kann mit bis zu 12 Frames/Sekunde in einem Video dargestellt werden. Umfangreiche Studien der letzten Jahre haben das Potential der Endomikroskopie für eine Vielzahl von Erkrankungen gezeigt. Die Endomikroskopie erlaubt demnach unter anderem die in vivo Diagnose und Differenzierung des Plattenepithelzellkarzinoms der Speiseröhre, des Barrett-Ösophagus, gastraler Neoplasien und der Zöliakie. Besonders großes Potential hat die Endomikroskopie auch in Bereich kolorektaler Pathologien. Hier konnte gezeigt werden, dass die Überwachung von Patienten mit langjähriger Colitis ulcerosa mittels Endomikroskopie verbessert werden kann (4,75-erhöhte Detektion von Neoplasien) und das die Endomikroskopie mit einer hohen Genauigkeit und einem negativ prädiktiven Wert von mehr als 90% verschiedene Polypenhistologien differenzieren kann. Neuere Studien konnten weiterhin die Bedeutung der Endomikroskopie für die Differenzierung der mikroskopischen Kolitis, hierbei insbesondere der lymphozytären und kollagenen Kolitis aufzeigen.

Großes Potential hat die Endomikroskopie auch in dem Bereich der molekularen Bildgebung, bei der spezifische, fluoreszenzgekoppelte Substanzen (z.B. gegen mTNF, VEGF, EGF-Rezeptor) in vivo appliziert und dann gezielt mit der konfokalen Endoskopie dargestellt werden können. Erst kürzlich konnte in diesem Zusammenhang gezeigt werden, dass mittels molekularer Bildgebung bei Patienten mit Morbus Crohn ein Therapieansprechen auf eine Medikation mit einem anti-TNF Antikörper vorhergesagt werden kann.In Zukunft wird die Endomikroskopie somit einen wesentlichen Beitrag in Richtung einer individualisierten Diagnostik und Therapie leisten können.

Zusammenfassend ermöglicht die Endomikroskopie eine Vergrößerung des Gewebes um einen Faktor, der die histologische Begutachtung des Gewebes noch während der endoskopischen Untersuchung in Echtzeit ermöglicht und damit die in vivo Diagnose einer Vielzahl von gastrointestinalen Erkrankungen. Das Verfahren steht in Erlangen zur Verfügung und wird bereits seit 2009 erfolgreich in der Diagnostik eingesetzt.

 
 
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
 
 
 
Bitte tragen Sie Ihren Namen und gültige E-Mail-Adresse(n) ein!
X zum Schließen

Zusammenfassung