Nahrungsmittelunverträglichkeiten - Intoleranz und Allergie

Medizin 1

Direktor:
Prof. Dr. med. Markus F. Neurath

Allergie oder Intoleranz?

Zwar umfasst der Begriff Nahrungsmittelunverträglichkeit sowohl die Allergie als auch die nicht allergisch bedingten Unverträglichkeiten, eine genaue Unterscheidung ist aber wichtig, da sich die Beschwerdebilder zwar ähneln, die Diagnostik und Therapie jedoch unterschiedlich ist.
Wenn der Genuss von Lebensmitteln Beschwerden verursacht, gilt es herauszufinden, ob die Beschwerden durch eine Intoleranz oder aufgrund einer allergischen Reaktion ausgelöst wurden. Doch was ist der Unterschied und warum muss man zwischen beiden Begriffen unterscheiden?

Nahrungsmittelintoleranz

Im Gegensatz zu einer allergischen Reaktion ist bei Intoleranzen das Immunsystem nicht beteiligt. Die Ursachen sind vielfältig, die Beschwerden breit gefächert, die diagnostischen Möglichkeiten jedoch bislang limitiert. Gleichzeitig leiden immer mehr Menschen unter Nahrungsmittelintoleranzen, so dass ein valides Nachweisverfahren dringend benötigt wird.
Schwerpunkte unserer Untersuchungen sind die Unverträglichkeit gegenüber Getreide und Histamin-induzierten Erkrankungen, wie z. B. eine Histaminintoleranz. Ein besonderer Fokus liegt hierbei auf dem Einfluss des Magen-Darm-Trakts auf immunologisch vermittelte Reaktionen.

Glutenunverträglichkeit

Getreideprodukte zählen schon seit vielen Jahren zu den Hauptkohlenhydratquellen unserer westlichen Ernährung. Doch die Anzahl der Menschen, die Unverträglichkeiten gegenüber Weizen oder verwandten Getreidesorten, wie Gerste, Roggen oder Dinkel, entwickeln, steigt zunehmend. Als Ursache wird neben der Hochzüchtung der modernen Getreidesorten auch eine veränderte Zubereitung der Nahrungsmittel diskutiert. Die zunehmend detaillierte Beschreibung der Beschwerdebilder (Symptome) in Fachzeitschriften führt inzwischen zu einer frühzeitigen Erkennung von gluten- bzw. weizenbedingten Erkrankungen.
Dabei können drei Formen der Getreideunverträglichkeit unterschieden werden:

  • die immunologisch vermittelte Zöliakie
  • die Weizenallergie (IgE und nicht-IgE vermittelt)
  • und die Nicht-Zöliakie-Glutensensitivität (NCGS), für die noch keine geeigneten Diagnose- und Therapiekriterien existieren

Die Untersuchung dieser Getreideunverträglichkeiten, insbesondere der NCGS, sowie die Bestimmung geeigneter Diagnose- und Therapiemöglichkeiten sind Hauptziele unserer wissenschaftlichen Arbeit. Dabei wird neben dem Einfluss verschiedener Diäten (FODMAP- oder glutenfreie Diät) auch der Einfluss der Darmbakterien (Mikrobiom) untersucht.

Histaminintoleranz

Bei einer Histaminintoleranz wird vermutet, dass eine erhöhte Histaminkonzentration im Blut die vielfältigen und teilweise sehr ausgeprägten Beschwerden auslöst. Dies könnte durch eine reduzierte Konzentration des histaminabbauenden Enzyms Diaminoxidase bedingt sein. Das Vorliegen dieser Stoffwechselerkrankung wird kontrovers diskutiert, da das Nachweisverfahren sehr schwierig und aktuell nicht valide ist.
Wir konnten bereits im Rahmen einer 24-Stunden-Messung des Histamins und der Diaminoxidase zeigen, dass bei einem relevanten Anteil von Betroffenen mit Verdacht auf Histaminintoleranz tatsächlich eine verringerte Diaminoxidasekonzentration vorliegt. Unsere Arbeitsgruppe ist nun bestrebt, das Nachweisverfahren für die Histaminintoleranz zu verbessern und in die klinische Diagnostik einzubinden.

Nahrungsmittelallergien

Bei Nahrungsmittelallergien reagiert das Immunsystem übermäßig auf an sich ungefährliche Substanzen.
In den letzten Jahren haben die Erkrankungen aufgrund einer Nahrungsmittelallergie deutlich zugenommen. Die Aktivierung des Immunsystems im Magen-Darm-Trakt kann zum Teil zu schweren Nahrungsmittelallergien führen. Der Nachweis dieser darmassoziierten Allergie ist meist mit den gängigen Blut- und Hauttests nicht möglich.
Eine lokal im Gastrointestinaltrakt angewandte Methode würde den Nachweis einer Sensibilisierung auf Nahrungsmittel vereinfachen und eine validere Diagnose ermöglichen. Bisher publizierte, lokal angewandte diagnostische Verfahren sind aufgrund der verlängerten Untersuchungsdauer und der Störanfälligkeit für den Einsatz in der klinischen Routine nicht geeignet. Unser Ziel ist es, eine zuverlässige und praktikable Methode für den Nachweis einer lokal auf der Darmschleimhaut vermittelten Nahrungsmittelallergie zu etablieren.